04.04. - 07.04.: Hot Season - Pagoden bei 40 Grad

Unesco Weltkulturerbe - Die Pagodenfelder von Bagan

Königreich Bagan um 1210: Kernzone in dunkelgelb, abhängige Gebiete in hellgelb
Königreich Bagan um 1210: Kernzone in dunkelgelb, abhängige Gebiete in hellgelb

Bagan war das erste zusammenhängende Herrschaftsgebiet des heutigen Myanmars. Das Königreich umfasste mit seinen abhängigen Gebieten weite Teile Burmas. Mit einer Fläche von 40 km² wuchs Bagan weltweit zu einer der größten Städte des Mittelalters heran und übertraf London um das 15fache.

Die Lage am Irrawaddy im zentralen Burma machte Bagan schon Mitte des 9. Jahrhunderts zu einem Handelszentrum Oberburmas. Hier kreuzten sich die Handelswege Chinas und Indiens: Beste Voraussetzungen also zum Ausbau einer Vormachtstellung, die allerdings noch ein wenig auf sich warten ließ, weil vor dem 11. Jahrhundert Thronstreitigkeiten und Dynastienwechsel noch viele Phasen der Instabilität hervorriefen.

Bagan war für über 400 Jahre das Herrschaftszentrum des Königreiches. Seit 849 von einer Mauer umgeben, erreichte Bagan zwischen 1050 und 1150 seine Blütezeit. Durch Unterwerfung, Verschleppung und Sklavenhaltung festigten die Herrscher besonders unter Anawrahta (1044 - 1084) und seinem Sohn Kyanzittha (1084 - 1113) ihre Macht. Anawrahta war es, der das Monreich im Süden Burmas eroberte, weil der Mon König Manuha von Thaton sich weigerte, Mönche zur Unterweisung der heiligen buddhistischen Schriften zu entsenden. Bis dahin hatte sich der Buddhismus in Bagan noch nicht durchgesetzt, sondern der aus Indien kommende Vajrayana-Buddhismus hatte sich mit dem einheimischen Schlangenkult vermischt.

Durch die Verschleppung der weltlichen und religiösen Mon-Bildungselite des eroberten Mon-Reiches verbreitete sich in Bagan erst der Buddhismus, und zwar der heute noch als Staatsreligion vorherrschende Theravada-Buddhismus, der fortan auch als Instrument des Machterhalts benutzt wurde. In der Blütezeit der Macht ließen die Herrscher Bagans in 250 Jahren 6000 teilweise sehr mächtige Pagoden erbauen, von denen heute noch 2000 erhalten sind. Die Pagoden verteilen sich auf einer Fläche von 36 km2, die zwischen Alt- und Neubagan liegen.

Der Bau der Pagoden war kostspielig und leitete den Untergang Bagans ein. Denn nicht nur die Baukosten schmälerten das finanzielle Fundament der Herrscher, sondern auch der Unterhalt des Personals und die Steuerfreiheit der Tempel und Klöster. So diente die Einheit von weltlicher und religiöser Macht einerseits der Etablierung der Macht, andererseits leitete sie den Untergang ein. Das nutzten die Gouverneure der eroberten Provinzen aus und verweigerten ihrerseits die Zahlung von Abgaben. Schließlich waren es Ende des 13. Jahrhunderts Mongolen und Thais, die Bagan den Todesstoß versetzten. Das nutzten die Shan im Osten und die Mon im Süden aus. Sie festigten in ihren Gebieten die zuvor an Bagan verlorene Vormachtstellung.

Sympathie auf den ersten Blick

Nyaung U ist heute der größte Ortsteil Bagans, zu Bagan gehören weiterhin Altbagan mit seiner teilweise noch erhaltenen Stadtmauer und Neubagan, dass nach einem Erdbeben infolge von durch die Militärregierung angeordneten Zwangsumsiedlungen entstanden ist. Als wir Neubagan erreichten, war es Sympathie auf den ersten Blick. Das wurde auch nicht durch die große Hitze, die wir von Mandalay kannten, beeinträchtigt. Die gesamte Szenerie inklusive der Pagodenfelder passte zu dem trockenen Savannenklima. Teilweise gab es noch Reste des ehemaligen Trockenwaldes, der im Zuge der langen Kulturgeschichte Oberburmas sukzessive gerodet wurde.

Besonders toll war das Hostel, das Ostello Bello, von "reisenden" Italienern nach dem Vorbild zweier bereits bestehender Ostello Bellos in Mailand nach westlichem Standard im Gebäude eines alten Hotels errichtet. Kontakte, abendliche Happy Hour, zentrale Lage und netter, hilfsbereiter Stuff, besser hätten wir es nicht treffen können. Im Vergleich zum quirligen, teilweise nervig lauten Mandalay war es hier ruhig, die Gebäude waren zwar überwiegend sehr einfach, aber auf die elendige Armut Mandalays trafen wir nicht. Überrascht waren wir von dem guten und sehr günstigen, auf Wunsch authentisch burmesischen Essens (für 2 alles inklusive 10 bis 12 €). Fazit: Es waren beste Voraussetzungen, um die Pagoden alleine zu erkunden.

Reicht die Batterie - Mit dem Elektroroller über die Pagodenfelder

Aus der Pagode kam uns ein schöner, exotisch wirkender Gesang entgegen. Wir gingen, wie üblich, barfuß hinein, umkreisten die üblicherweise in der Mitte in alle Himmelsrichtungen blickenden Buddhastatuen und trafen auf einen jungen Burmesen, der im traditionellen Longi Bilder zusammenrollte. Er konnte Englisch und wir begannen uns zu unterhalten. Er berichtete uns, er sei Maler und habe diese Kunst in rund sieben Jahren gelernt. Seit der Öffnung des Landes erlebt diese Kunst, das Zeichnen religiöser Bilder, wieder eine Renaissance. Er war sehr unaufdringlich und wir schauten uns seine Bilder an, die wir sehr beeindruckend fanden. Am Ende kauften wir zwei Bilder für insgesamt 25000 MMK (knapp 25 €).

Der junge Künstler hatte eine Lizenz für diese Pagode, die wir eher zufällig betraten. Wir waren froh, bei ihm gekauft zu haben, denn später, bei den von Touristen stärker frequentierten Pagoden waren die Maler teilweise recht aufdringlich, ein erster Tribut an den zunehmenden Tourismus und in anderen asiatischen Ländern in eklatanter Weise sehr üblich. Und es zeigte sich ein Mal mehr, das Unabhängigkeit und das Erkunden auf eigene Faust in unseren Augen die schönsten und überraschendsten Momente ermöglicht.

In Bagan war das jedoch nur mit einem Elektroroller möglich, echte Motorbikes waren für Touristen verboten. Eine gute Regelung, denn so kann man die anmutige Ruhe auf den Pagodenfeldern genießen. Die Anmietung hat jedoch ihre Tücken: Die Batterie kann vor der versprochenen Fahrzeit ihren Geist aufgeben. Viele Touristen sahen wir keuchend radeln, weil sie dieses Schicksal ereilt hatte. Anrufe wären unmöglich gewesen, denn unsere Handys hatten wegen fehlender Roaming-Vereinbarungen kein Netz. Einen Tag kam ich im wahrsten Sinne des Wortes gerade noch zurück, schon bei leichten Steigungen musste ich mangels Batterieleistung, die in diesem Fall auf 0% sank, radeln. In diesem Fall waren wir vorzeitig umgekehrt, erhielten aber anstandslos einen neues E-Bike.

Weil die E-Bikes klein waren und für zwei Erwachsene zu wenig Leistung boten, mieteten wir zwei zum Tagespreis von 10 MMK (Knapp 10 €). Ein gutes Geschäft für die Vermieter, denn ein größeres E-Bike (Made in China) kostet nur 400 US-$, das kleinere Modell nur 300 US-$. Bereits nach 60 bis 80 Vermietungen hat sich der Kaufpreis amortisiert, zumal Reparaturen mangels Fachkenntnissen kaum vorgenommen werden.

Verbogene Pedalen und Ständer sind da eher noch zweitrangig, wichtiger war uns der Zustand der Bremsen. Es war fast schon putzig, wenn unsere Vermieterin sagte, wir sollten sowieso nur hinten Bremsen. Ein Irrtum: Vorne werden 90% der Bremsleistung erzielt, bei einer Vollbremsung blockieren zudem die hinteren Bremsen leichter und das Fahrzeug bricht hinten aus. Da half auch das Nachstellen der Vorderradbremse nicht. Einige E-Bikes ließen sich trotzdem noch mit vollgezogener Bremse schieben. Da hilft nur ein Bremsbelagwechsel, aber ohne Fachkenntnisse ist der nicht möglich. Und die Vermeiterin erkannte das Problem nicht, oder wollte es nicht.

Spätestens jetzt kommt Weltreisefeeling auf

Wir hatten uns schnell wieder eingefunden, fast so, als ob wir erst vor kurzem unser Sabbatjahr beendet hatten. Der Rhythmus des Auspackens, Einpackens, Weiterziehens und Organisierens hatte sich schnell wieder eingestellt. Unsere kurze Reise bekam dadurch etwas Zeitloses. Wir sinnierten darüber, wohin wir gerne weiterziehen würden, nach Myanmar und Malaysia... Kambodscha, Laos, Vietnam. Ein anderes Mal, nicht aus den Augen, das werden wir bestimmt in Kürze nachholen.

Ein Sonnenuntergang, der keiner war

Wir tauschten nach unserer Tages-Pagodentour aus batterietechnischen Gründen die Roller. Gitti legte die Ohren an und versuchte das letzte aus dem E-Bike herauszuholen. Richtig Spaß hatte Sie auf den kleinen, technisch unkomplizierten Zweirädern erlangt. Meine Batterie war schon etwas schwach, ich kam kaum hinterher. Die Sonne deutete schon an, in das Abendrot überzugehen als wir die Sonnenuntergangspagode erreichten und uns wunderten.

Sollte hier ein Fußballspiel oder dergleichen stattfinden? Vor der Shwesandaw-Pagode wollten uns Kinder Postkarten und selbstgemalte Bilder zu völlig überzogenen Preisen anzudrehen, die Pagode war voll von Menschen, Reisebusse von Reisegruppen standen auf dem provisorischen Parkplatz. Diese Pagode gehört zu den wenig erklimmbaren, an den Seiten führte jeweils eine Treppe über mehrere Ebenen bis fast nach oben. Auf der dritten Ebene ergatterten wir noch einen Platz, umgeben von Asiaten, die nur damit beschäftigt waren, Selfies zu machen.

Die Rundumsicht über das Pagodenfeld war allerdings grandios, das Abendlicht tauchte die Pagoden in ein kontrastreiches, mystisches Licht. Aber es war keine Sonnenuntergangszeit. Der Dunst am Horizont kündigte bereits die bevorstehende Regenzeit an. Bevor das Abendrot sich voll entfalten konnte, war die Sonne im Dunst des Horizontes verschwunden.

Im falschen Film - Englische Lady in einer ehemaligen Kolonie

Nur die RV Indochina Pandaw am Uferrand des Irrawaddy deutete darauf hin, dass das hier die Schiffsanlegestelle von Alt Bagan sein musste, denn es gab keinen Anleger. Eine Brücke war vom kolonial wirkenden Schiff an das Ufer gelegt worden. Der Fluss lag jetzt, zur Trockenzeit, 6 m - 8 m unter dem Niveau, dass er zur Regenzeit erreichen sollte. An einigen Stellen wird der Irrawaddy dann mehrere Kilometer breit sein, Teile des Deltas werden wieder überschwemmen.

Jetzt waren die slumähnlichen Hütten am Fluss weit weg vom Uferrand. Flößer entwirrten das zusammengebundene Holz und luden es auf einen museumsreifen Lastwagen auf. Am Ufer lagen zwei Kähne, geschickt schleppten Frauen Kies in Körben, die sie auf den Kopf trugen, über schmale Bretter balancierend, zu Kleintransportern. Dazwischen wuschen Frauen ihre Wäsche und sich selbst im Fluss.

Als wir gerade darüber rätselten, ob dieses Schiff eines der Fährschiffe ist, die Bagan mit Mandalay oder gar mit Yangon verbinden, traten dem Augenschein nach englisch gekleidete, ältere Herrschaften aus der RV Indochina Pandaw und schritten zum Steg. Plötzlich fühlten wir uns 100 Jahre zurückversetzt oder man könnte meinen, hier würde ein Film gedreht. Aber Kameras sahen wir nicht. Stattdessen erfuhr diese Szene eine Steigerung: Voran schritt eine etwa 60jährige Frau, fein gekleidet, die Umgebung mit keinem Blick würdigend, über den Steg. Sie wurde begleitet von einem uniformierten Mann, der ihr hilfreich die Hand reichte. Ihr Weg wurde gesäumt von Männern, die Sonnenschirme hielten, einer hielt einen von ihnen über ihren Kopf. Dann verschwand die Dame in einen wartenden Reisebus. Ein Mann, vermutlich ihr Ehegatte, gekleidet wie ein englischer Sir auf Safari, folgte ihr.

Nachdenklich schwangen wir uns auf unsere E-Bikes und verließen den Ort.

Die Reiseführer müssen neu geschrieben werden

Die häuslichen Recherchen hatten keine eindeutigen Hinweise auf gute Verbindungen zum Inle-See gegeben, sieht man von der Fahrt mit einem Privattaxi für 150 $ oder mit dem Zug, der mit Umsteigen eine Reisedauer von zwei Tagen erfordert, ab. Doch die Bevölkerung Myanmars will offenbar an den zunehmenden Touristen und Backpackern verdienen und bietet zumindest Transits auf Grundniveau an.

Dass es so einfach werden würde, hatten wir nicht erwartet. So wie in Backpackerländern üblich, sprießen in Myanmar die Agencys nur so aus dem Boden. Dort wurden wir fündig: Für beide 30000 MMK (weniger als 30 €) in einem 45-sitzigen Bus. Fahrdauer: Pick-up am Hostel um 7 Uhr, Ankunft in Nyaung Shwe am Inle See um ca. 16 Uhr. Das hörte sich gut an.

Schon nach kurzer Zeit Fahrt wusste ich, dass dies wohl einer der anstrengendsten Fahrten während unserer Reisen werden würde. Die Beine standen unbequem im engen, steilen Fußraum, während vor Müdigkeit der Kopf immer wieder wegsackte. Einen Halt fand er nicht, stattdessen schreckte ich immer wieder auf, wenn der Kopf seitwärts hing und die harten Stöße der Straße unmissverständlich klar machten, dass ich in einem Kleinbus saß. Die Rückenlehnen der Sitze waren aus Sparmaßnahmen so kurz, dass sie unterhalb der Schulterblätter aufhörten, es war augenscheinlich nur ein Billig-Toyota für Südostasien.

Dabei hatte es gut begonnen: Wir starteten pünktlich um sieben, pickten dann noch weitere Gäste auf und dachten, es würde zum Busbahnhof gehen, um in einen richtigen Bus zu wechseln. Fragen konnten wir nicht. Der Fahrer sprach kein Wort Englisch. Etwas verwundert waren wir nur darüber, dass das Gepäck auf dem Dach fest verzurrt worden war. Der Bus fuhr einfach weiter, machte kaum Pausen und stellte unsere Blasen und andere Körperteile auf eine harte Probe. Am Abend waren unsere Fußgelenke wegen der statistischen unbequemen Haltung im Bus durch Wassereinlagerungen angeschwollen. Fazit: In einem armen, noch recht unerschlossenen Land muss man offenbar manchmal einfach nur froh sein, überhaupt von A nach B zu kommen.

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