01.01. – 07.01. Die Reise beginnt in einem südamerikanischen Entwicklungsland

Tour Karte 1: Von Lima bis Tacna (Teil 1: Lima bis Huacachina)

Die erste Woche in Peru: Eindrücke und Bedrückung im Sekundentakt

Es herrschte echte Feierlaune, die allgegenwärtige Polizei sorgte für Sicherheit. Die gepflegte Promenade wurde von großen, meist luxuriösen Hotels flankiert. Wir hatten unsere Hanwag Yukon an, beileibe nicht das richtige Outfit, um hier Sylvester zu verbringen. Aber in den USA wird man deshalb nicht schief angeschaut. Der breite, feinsandige Strand von Miami- und South Beach hätte am Tag sicher zum relaxen eingeladen, das warme Meer zum Baden. So flanierten wir in unseren Bergschuhen die Promenade entlang und genossen den lauen, subtropischen Winterabend, bevor unser Flieger pünktlich um 23:55 Uhr (nach US-Zeit) in den dunklen Nachthimmel Richtung Lima abheben würde.

Unsere lange Anreise endete nach insgesamt 27 Stunden mit der pünktlichen Landung um 5:35 Uhr in Lima. In kurzer Zeit erlebten wir den Gegensatz von Miami, einer Metropole des amerikanischen „Way Of Life“, und einer Hauptstadt eines Entwicklungslandes. Langsam setzte das Flugzeug unter dem diesigen Himmel zur Landung an. Kurze Blicke aus dem Seitenfenster erlaubten einen ersten Eindruck: Lima ist eine Großstadt eines Entwicklungslandes, Wildwuchs, Hüttensiedlungen, Zerfall einerseits, andererseits Bürohochhäuser, in denen Banken, Rohstoff- und Nahrungsmittelkonzerne ihren Sitz haben, die übrigens meist aus den Industrieländern stammen.

Lima hat etwa 10 Millionen Einwohner. Rund 1/3 der peruanischen Bevölkerung lebt hier. Auch das ist typisch für ein Entwicklungsland: Die Metropole ist Kernzone von Industrialisierungsansätzen und von Tertiärisierungsprozessen, während die Entwicklung besonders auf dem Lande den Menschen nur wenig Teilhabe erlaubt. Folge: Die Menschen zieht es in der Hoffnung auf ein besseres Leben in die Hauptstadt. Andererseits sind die Preise in Lima bereits recht hoch, normales Wohnen und Leben deshalb für die Armen der Stadt kaum möglich. Sie wohnen am Rande, in Hütten, in verfallenen Stadtteilen oder in wild wachsenden neuen Stadtteilen. Viele von ihnen leben von unterbezahlten Gelegenheitsjobs oder arbeiten im informellen Sektor als Schuhputzer, Kleinhändler oder dem Verkauf von Getränken, Eis und dgl. mehr. Die Stadtplanung hat hier keine Chance. So gibt es im Wesentlichen nur drei sichere Stadtteile, in denen die Aufsteiger wohnen, sicher hinter Gittern, einige Wohnkomplexe werden zusätzlich von Sicherheitskräften bewacht.

Unser ursprüngliches Hotel hatten wir kurzfristig storniert, weil dort zwar ein Taxiabholservice angeboten, aber unsere e-mails nicht beantwortet wurden. Denn für uns galt: Safety first. In Lima kann es durchaus passieren, dass ein Taxi nicht dahin fährt, wohin der Fahrgast es wünscht. Erschwerend kommt die fehlende Kommunikationsmöglichkeit hinzu: Peruaner sprechen in der Regel kein Wort Englisch. Harmlos wäre die Variante, dass die Touristen nur zu einem anderen Hotel gebracht würden, schlimmstenfalls würde man in einem unsicheren Stadtteil landen und eventuell ausgeraubt werden. Unsere Reise wäre in einem solchen Fall sofort beendet.

Schnell hingegen war das Hotel Killari mit dem e-mail-Austausch. Das einfache Hotel liegt im Stadtteil Miraflores, sein vorne gelegener Außenbereich war hinter einer massiven Holzwand versteckt, der Eingang verschlossen und durch eine Kamera überwacht. Die gut 20 km lange Fahrt vom Flughafen führte uns durch Stadtteile, in denen jeder Ampelhalt unangenehm war. Zerfallene Häuser, dreckige Straßen und Behelfsunterkünfte. Menschen sahen wir kaum, nur jene, die bis in den Neujahrsmorgen hinein gefeiert hatten. Mr. Alan chauffierte uns wortlos –er konnte kein Englisch- durch dieses Labyrinth, umkurvte geschickt alle Schlaglöcher, so als ob er jedes kannte, und bremste abrupt vor jeder Bodenwelle, die eigentlich den rasanten Fahrstil der Peruaner kontrollieren soll, ab, um dann wieder den kleinen viersitzigen KIA zu beschleunigen. Gut, dass wir noch nicht gefrühstückt hatten, unsere erste Fahrt in einem peruanischen Taxi war keinesfalls magenfreundlich.

Mr. Alan hatte uns pünktlich abgeholt, er wartete mit einem Namensschild auf uns, so wie das Hotel Killari es angekündigt hatte. Gelassen konnten wir uns deshalb der vielen aufdringlichen Taxifahrer erwehren, die uns unentwegt ihr „Taxi, Taxi“ hinterher riefen. 20 € kostete die Fahrt umgerechnet, für diese lang Strecke sicher nicht zu viel. Im Hotel wurde unser Gepäck bis zum Einchecken sicher verwahrt. Das Jahr 2013 begann für uns um etwa 7:30 Uhr mit einem Frühstück im Hotel Killari. Es tat gut und langsam erwachten unsere Lebensgeister, obwohl wir nur wenige Stunden mehr schlecht als recht im Flugzeug geschlafen hatten. Das Duschen musste allerdings noch ein wenig warten. Sommerlich bekleidet liefen wir rund 20 km durch Miraflores und erkundeten den sauberen Stadtteil.

Zwei Tage waren wir in Lima, am zweiten Tag besichtigten wir die koloniale Altstadt. Downtown hat aber durchaus zwei Gesichter: Abseits der touristischen Attraktionen oder der belebten Einkaufszonen ist sie wieder da: Die Armut, die in so vielen Stadtteilen Limas vorherrscht. Zügig schlenderten wir durch die Seitengassen und wagten hier und da einen Blick und ein Foto aus der Hüfte. Nachdenklich kehrten wir zurück in die sicheren Bereiche, auch ein wenig froh, nicht bestohlen worden zu sein.

Der Verkehr in Lima ist chaotisch, hupen ist scheinbar das einzige steuernde Element. Auch das Bussystem ist schwer durchschaubar. Fahrpläne gibt es nicht, andauernd kommen die zahlenmäßig dominanten Kleinbusse, aus denen die Begleiter im Wettstreit um die lauteste Stimme und die meisten Fahrgäste brüllen. Sie schreien ihre Fahrstrecken hinaus, so erfährt man, welcher der richtige Bus ist. Ein Soles etwa (0,30 €) pro Person müssen direkt an den Begleiter bezahlt werden, die das Geld sogleich in den Taschen ihrer schäbigen Hosen verschwinden lassen. Fragen nach der Verkehrssicherheit möchte ich an dieser Stelle lieber nicht erörtern.

Nach einigen Recherchen und nach in Augenscheinnahme verschiedener Busse unterschiedlicher Busgesellschaften in Lima hatten wir uns für die sicherste, aber auch teuerste Variante entschieden: Cruz del Sur hat technisch einwandfreie und komfortable Busse, das Registrierungssystem bei Gepäckaufgabe und Gepäckabholung im Claim-Bereich sorgt dafür, dass das Gepäck tatsächlich vom Besitzer abgeholt wird, und bei längeren Fahrten werden Fahrerwechsel vorgenommen. Zudem liegen die Busstationen in sicheren Gebieten, im Fall von Lima im Stadtteil Ilsidro, der als aufstrebendes Geschäfts- und Wohnviertel neben Miraflores zu den sicheren Bereichen Limas zählt. In Peu gibt es nämlich keine Busbahnhöfe, sondern die Busse der unterschiedlichen Busgesellschaften haben jeweils ihre ganz eigenen „Busbahnhöfe“.

Bis Nazca verläuft unsere Route auf der Panamericana. Es ist eine neue Art des Reisens, vom Oberdeck die Landschaft zu beobachten. Kilometer um Kilometer entfernten wir uns von Lima. Wir fuhren die durch die Küstenwüste Perus, jene Wüste, durch die die Wüstenrallye Dakar führt, die am 05.01. in Lima startete. Noch viele Kilometer war das bedrückende Wachstum Limas zu sehen: Entlang der Straße gibt es viele Armensiedlungen, Verschmutzung und der Beginn einer industrialisierten Landwirtschaft ist zu beobachten, die auf Tierschutz wahrscheinlich keine Rücksicht nimmt: Offene Käfiganlagen, in denen Hühner dicht zusammen gepfercht ihr Dasein fristen müssen.

Die Wüste ließ uns nicht mehr los. Nach rund vier Stunden erreichten wir Paracas, eine aufstrebende Gemeinde, die vom Tourismus lebt. In Paracas gibt es bereits viele 100 Dollar teure Luxushotels, die neben einfachen, billigen Hotels den Tourismus in der Gemeinde ankurbeln. In der Tat waren die preiswerten Unterkünfte bereits ausgebucht. Rumänen, die von unserem Hotel in Killari kurzfristig buchen wollten, hatten keinen Erfolg. So waren wir froh, dass wir im Paracas Backpackers House über Hostelworld.com vorgebucht hatten. Das Hostel hatte uns per email eine Wegskizze und andere Beschreibungen zugesandt und davor gewarnt, uns in ähnlich lautende Backpacker Hostels abschleppen zu lassen.

Alberto aus Lima, ein 67jähriger umtriebiger Peruaner, war der für ihn unliebsamen Hauptstadt entflohen und hatte sich hier mit seiner viel jüngeren Frau Lidia sowie seinen noch recht jungen Kindern niedergelassen. Alberto sprach sehr gut Englisch. Sein Hostel war noch nicht ganz fertig, aber halbfertige Bauten sind in Peru eher die Regel. Wir schliefen in einem einfachen, sauberen Zimmer, das offenbar erst vor kurzem fertig gestellt worden war. Es war sehr heiß in dem Zimmer, erst in der abendlichen, sich abkühlenden Wüstenluft wurde es erträglich. Im Backpackers House gab es eine Küche. So konnten wir selber kochen. Zum Glück hatten wir unsere eigenen Töpfe mit, denn das vorhandene Kochgeschirr war wenig einladend. Nicht nur im Backpackers Hostel ergaben sich viele nette, internationale Kontakte.

Alberto organisierte vom Hostel auch die Unternehmungen, die in Paracas üblich sind: Ein dreistündiger Schnellbootausflug zu den Islas Ballestas („Kleingalapagos“), einem Vogel- und Seelöwenparadies und ein Ausflug in das Wüstennaturschutzgebiet „Reserva Nacional de Paracas“. Es stellte sich übrigens als richtig heraus, immer mindestens zwei Übernachtungen bei Stopps einzuplanen, weil wir als Backpacker doch mehr Zeit für die großen und kleinen Wege benötigten, als es mit dem Auto der Fall gewesen wäre.

Das Packen ist derzeit noch nicht Routine. Wir müssen schon recht eng stauen, um alles mitzubekommen. Der Bus von Paracas kam heute etwas später. Grund: Wegen des Starts der Wüstenrallye Dakar gab es einige Staus auf der Panamericana. So brauchten wir etwas länger, obwohl die Busse von Cruz del Sur für ihre Pünktlichkeit bekannt sind. Unser nächstes Ziel war die Wüstenoase Huacachina bei Ica, einer 200000-Einwohner Wüstenstadt, die durch Weinherstellung und den berühmten Pisco, einem peruanischen Weinbrand, bekannt ist. Auch in Ica trafen wir auf die Armutswohnbezirke, die in jeder peruanischen Stadt zu finden sind.

Nach unserer Ankunft wurden wir sogleich von aufdringlichen Taxifahrern angegangen. Am Besten ist es, so hatten wir inzwischen gelernt, sie zu ignorieren, nachdem man eindeutig abgelehnt hat. Vor unserem Bus spielte sich im Zuge dessen ein kleines Drama ab. Ein junger, aufdringlicher Mann bot uns eine Fahrt in seinem kleinen 4-Soles-Dreiradtaxi an. Offenbar hatte er die Hierarchie missachtet. Denn ein älterer Taxifahrer ging prügelnd auf diesen los. Der ältere Taxifahrer war Fahrer eines gelben 5-Soles-Taxis. Wir wollten natürlich nicht mit diesem gewalttätigen Chauffeur fahren. Am Haupteingang entschieden wir uns deshalb für die teurere 7-Soles-Variante, einem sicheren weißen, neuen Taxi, dessen Fahrer durch ihre Jacken erkennbar sind.

Hauptattraktion in Huacachina ist das Wüstenbuggyfahren. Die saharagleichen Dünen dieser Wüstenlandschaft sind steil und hoch. Deshalb kam bei dieser Fahrt richtiges Achterbahngefühl auf. Während der Stopps fuhren wir Sandboard und genossen die schier endlose Wüstendünenlandschaft.

Huacachina ist touristisch erschlossen und recht dicht bebaut. Am Wochenende gesellen sich noch Peruaner hinzu. Dadurch ist es sehr laut. Dennoch genossen wir die Zeit im von jungen Leuten belebten Carola del Sur. Gleich am ersten Abend wurden wir von zwei jungen Deutschen angesprochen, ob wir am geplanten abendlichen BBQ teilnehmen wollten. Durch ihre Werbemaßnahme konnten sie kostenfrei nächtigen und essen. Markus absolviert in den peruanischen Anden seinen Freiwilligendienst und unterrichtet dort in einer kleinen Grundschule, Robert war für zwei Monate in einem Kinderheim in Santiago de Chile tätig. Robert hat Markus in Peru besucht, jetzt verbringen sie einen kurzen Urlaub in Huacachina.

Das Carola del Sur ist sehr einfach. In unserem Zimmer gibt es nur zwei Betten und einen kleinen Tisch. Dafür haben wir ein eigenes Bad/WC. Wir gewöhnen uns gerade wieder daran, sehr einfach zu leben. Jetzt freuen wir uns auf unsere nächste Station in der Wüste: Nazca.

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Tour Karte 1 (1. Teil): Von Lima bis Huacachina

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