07.01. – 16.01. Spannender Aufenthalt in den Hochanden

Tour Karte 1: Von Lima bis Tacna (Teil 2: Huacachina - Tacna)

Weitere neun Tage in Peru: Von der Wüste zum Colca Canyon in den Hochanden

Links und rechts der Straße ist nur Wüste zu sehen. Aber sie ist facettenreich, wechselt von Fels-, über Stein- zu Kies- und Sandwüste. Alle Verwitterungszustände eines extrem ariden Gebietes lassen sich hautnah beobachten. Aus den ärmlichen Hütten am Straßenrand strömen die Menschen. Nach unseren Maßstäben scheint das Leben unter diesen Verhältnissen nicht möglich. Die Rallye Dakar sorgt aber für Stimmung, die Straßenränder sind belebt, begeistert winken Junge und Alte, Männer und Frauen den Autos, LKW’s, Quads oder den Motorrädern zu, als diese einen längeren Straßenabschnitt vom Endpunkt einer Etappe zum nächsten Startpunkt fahren müssen.

Als wir Nazca erreichten, waren wir geschockt: Die Wüstenstadt wirkte wenig einladend. Hier sollten wir also die nächsten zweieinhalb Tage verbringen? Aber die Eingewöhnung im Hostal Brabant, einem sauberen, aber ebenfalls sehr einfachen Hostal, fiel uns erstaunlich leicht. Vor allem das nette, junge peruanische Paar (sie im9. Monat hochschwanger) machte uns den Aufenthalt sehr angenehm. Sie arbeiteten als Angestellte eines holländischen Betreibers im Hostal und suchten sehnsüchtig nach einer eigenen kleinen Wohnung, denn sie wohnten in einem kleinen Zimmer im Hostal. Zum ersten Mal hatten wir nur ein Gemeinschaftsbad. Das lag jedoch direkt nebenan und weil es sehr sauber war, war es eigentlich kein Problem. Wir genossen die Abende auf der gemütlichen Dachterrasse. Uns gefiel diese Art des Reisens immer mehr: So viele nette Menschen, die wir bislang trafen, die ebenso wie wir auch mehrere Monate unterwegs waren, sind ein gewichtiges Argument.

Die Flussoasenstadt Nazca ist ein Wüstennest mit rund 24000 Einwohnern in einer der trockensten Gegenden der Welt. Nazca ist eine unglaublich geschäftige Stadt, hektisch, laut und wegen des unablässigen Verkehrs auch nach Autoabgasen stinkend. Die vielen Taxis, die hauptsächlich dazu beitragen, sind hupend auf der ständigen Suche nach Fahrgästen, vor allem Touristen. Wir erledigten alles zu Fuß, unser Hostal lag sehr zentral. Die Nazcalinien haben Nazca bekannt gemacht. Erforscht wurden die Linien und Figuren, die sich in der Steinwüste befinden, von einer Deutschen: Maria Reiche hörte 1939 durch den amerikanischen Wissenschaftler Paul Kosok von den mysteriösen Scharrbildern in der Wüste von Nazca. Zu diesem Zeitpunkt restaurierte sie im Nationalmuseum in Lima historische Stoffe. Ab 1946 begann sie auf eigene Faust die Linien zu erforschen und das für den Rest ihres Lebens. 1998 starb sie 95jährig in Lima. In einem guten Hotel in Nazca hatte sie bis fast zuletzt gelebt. Das Hotelzimmer ist in Gedenken an ihre Arbeit bis heute nicht mehr anderweitig genutzt worden.

Die meisten Touristen buchen die recht teuren einstündigen Flüge mit kleinen, sechssitzigen Propellermaschinen, um die einige hundert Meter großen Scharrbilder und die viele Kilometer langen, geometrisch angeordneten Linien aus der Luft zu betrachten. Zwar sind die Flüge heutzutage dank staatlich verordneter, monatlicher Kontrollen sicher, aber wir scheuten dennoch davor zurück. Mit einem Überlandbus fuhren wir stattdessen zu einem Mirador (Aussichtsturm), um zumindest zwei Figuren (Hände und Baum) zu betrachten. Das reichte uns. Erklärungen und einen Überblick verschafften wir uns zusätzlich im Maria Reiche Planetarium bei einem einstündigen, englischsprachigen Vortrag.

Die Nazca-Kultur (200 bis 800) ist eine Vorinkakultur, über die man relativ wenig weiß. Die Nazca-Indianer lebten unter den schwierigen Trockenbedingungen der Wüste. Welche Bedeutung die Scharrbilder und Linien hatten, ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Sowohl astronomische Erklärungsversuche als auch mystisch bedingte Gründe werden heute herangezogen, möglicherweise gab es hier im Verlauf der Jahrhunderte wechselnde Gründe. Als sicher gilt, dass die Wasserversorgung zu allen Zeiten eine wichtige Ursache für die Anlage der Linien war. Die etwa 30 cm tiefen Gräben dienten offenbar als Bewässerungsgräben: Denn die Nazca bauten Mais, Bohnen, Gemüse und dgl. mehr an. Übrigens gibt es auch einen Mumienfriedhof der Nazca mitten in der Wüste. Er wurde allerdings von nachfolgenden Kulturen geplündert. Einige Mumien sind noch erhalten. Ähnlich wie in Ägypten trockneten die Leichname im heißen Wüstensand aus, durch die fehlende Feuchtigkeit konnte keine Verwesung stattfinden.

Mittlerweile hat sich bei uns eine strukturierte Reiseroutine herausgebildet: Ankommen, auspacken, sich orientieren und Unternehmungen planen, einpacken und weiterfahren. Erstmalig hatten wir uns für einen Nachtbus entschieden, der erst um 22:00 Uhr in Nazca startete. Die Ruhe vor der Abfahrt auf der Terrasse tat uns gut, weil wir beide gesundheitlich ein wenig angeschlagen waren. Irgendwie überstanden wir die Nacht. Die Luxusklasse im Cruz del Sur Bus war leider ausgebucht, so dass der Schlaf von Verspannungen, eingeschlafenen Gliedmaßen und dgl. mehr häufig unterbrochen wurde.

Arequipa ist eine Andenstadt auf ca. 2200 m Höhe. Und wie sollte es anders sein: Die Stadt ist von Wüste umgeben und war deshalb auch ein Ziel einer Zwischenetappe der Rallye Dakar. Die war uns aber mittlerweile weit voraus. Wir genossen die Akklimatisierung auf dieser Höhe und erkundeten die alte, historische Stadt aus den Anfängen des 17. Jahrhunderts. Aus den historischen Gebäuden sticht das Kloster Santa Catalina (gegründet 1580) heraus. Immer wieder teilweise von Erdbeben zerstört, wurde es wiederaufgebaut, erweitert und renoviert. So entstand ein ineinander verschachteltes, verwinkeltes Gassengewirr aus verschiedenen Jahrhunderten und Epochen: Eine eigene kleine Stadt in der Stadt. Der größere Teil ist aus finanziellen Gründen für Besucher geöffnet, während in einem kleineren Teil etwa 25 Nonnen wohnen sowie arbeiten und die Jahrhunderte alte Tradition des Klosters fortsetzen.

Arequipa eignet sich wegen seiner Höhe gut für die Akklimatisierung. Denn unser eigentliches Ziel waren die Hochandendörfer Chivay (3800 m) und Cabanaconde (3200 m) im Colcatal. So hoch waren wir noch nie. Die Aussicht, einen 4800 m hohen Pass zu überqueren, trieb uns dazu, fleißig Coca Tee zu trinken und Coca Drops zu lutschen. Das sollte gegen die eventuell zu erwartenden körperlichen Auswirkungen in der Höhe helfen. Im Ergebnis waren unsere Befürchtungen unbegründet: Wir spürten nichts von der Höhe.

Die Busfahrten zum und aus dem Canyon waren wirklich abenteuerlich. Wenigstens konnten wir froh sein, auf reservierten Plätzen zu sitzen und von dort aus das geschäftige Treiben des häufigen Ein- und Aussteigens zu beobachten (dazu mehr im Download). Der Höhepunkt dieser Etappe war zweifelsohne die Wanderung in den Colcacanyon von Cabanaconde aus. Während unseres Abstiegs (Start um 8:00) in den Canyon zur Flussoase Sangalle am Colca trafen wir auf viele Wanderer und Wandergruppen, die sich schnaufend und schwitzend die 1100 Höhenmeter hinaufschleppten, nachdem sie in der Oase übernachtet hatten. Die Ausblicke waren wirklich atemberaubend, inklusive einiger Kondore, die wir in der Ferne beobachteten.

Während wegen der Höhenlage in Cabanaconde eher gemäßigtes Klima vorherrscht, ist das Klima in Sangalle subtropisch. Hier wachsen Bananen und Mangofrüchte, Palmen spenden Schatten. Ein idyllischer Ort zum Verweilen, was die Bewohner weidlich ausnutzen: Es wird kaum noch Landwirtschaft betrieben, stattdessen ist der Haupterwerb der Tourismus. In primitiven Hütten können die Wanderer übernachten, es gibt einfache Restaurants. In diesem Wandergebiet sind Mehrtagestouren möglich. Wir stiegen jedoch am gleichen Tag bereits um 12.00 Uhr wieder auf. Grund: Es war Regenzeit, regelmäßig regnete es ab 16 oder 17 Uhr. Der Aufstieg war zwar recht anstrengend, aber wir bewältigten unsere erste Höhenwanderung in den Anden gut. Dabei unterboten wir die angegebenen Wanderzeiten jeweils um rund 45 Minuten.

Darüber, dass wir Thomas und Steffen in Cabanaconde wieder trafen, freuten wir uns. Wir hatten die beiden im Bus von Arequipa nach Chivay kennengelernt, jetzt verabredeten wir uns im Pachamama zum Pizza essen. Das war jedenfalls ein würdiger Abschied von unserem Kurzaufenthalt in Cabanaconde. Gemeinsam fuhren wir am nächsten Tag um 9.00 Uhr mit dem Andalucía-Bus zum rund 20 Minuten entfernten Cruz del Condor, bevor es um 11.30 Uhr mit dem „Senor de los Milagros“-Bus zurück nach Arequipa ging. Thomas und Steffen stiegen in Chivay aus, sie wollten dort noch ein wenig Mountainbike fahren.

Cruz del Condor ist ein besonderer Platz am Rande des Colca Canyons, wo die Condore in der Morgensonne aufsteigen. Hier herrschen besonders günstige thermische Bedingungen. Gleich Segelflugzeugen schrauben sich die Kondore, mit rund 3,50 m Spannweite die größten Vögel, in die Höhe. Aus großer Höhe halten die Geier nach Aas Ausschau. Es war ein sehenswertes Schauspiel, viele Kondore, gleich einem Fluggeschwader, ihre Flugbahnen ziehen zu sehen.

Mit unserem Unterkünften hatten wir nicht immer Glück: Skandalös waren die Zustände im Hostal Scandinavia in Ariquipa (siehe Download). In diesem Fall wäre es sicher richtig gewesen, das Hostal sofort wieder zu verlassen. Umso entschiedener holten wir das am nächsten Tag nach. Gerade 100 m weiter fanden wir das Torres del Ugarte, nur 5 € teurer, aber jeden Cent wert. Es gab ein sehr gutes Frühstück, das Beste, was wir bislang in Südamerika erhalten hatten, das Haus aus dem 18. Jahrhundert war gut renoviert, Zimmer, Dachterrasse waren sehr gepflegt, die Küche sehr sauber. Hier stimmte alles.

Aus dieser Situation hatten wir gelernt. Im Voraus hatten wir in Cabanaconde per e-mail im vielgelobten, (auch von unserer Südamerika-Bibel Lonely Planet) einfachen, aber guten Pachamama ein Zimmer mit eigenem Bad/WC vorgebucht. Die Bestätigung hatten wir. Unser Zimmer, ohne eigenes Bad/WC, lag dann neben der etwas ungepflegt wirkenden Küche, es war sehr klein, wir hatten kaum Platz uns umzudrehen. Vor dem Fenster war der Müllablageplatz. Es gab noch ein Nebenhaus. Dort waren die Zimmer nach Hörensagen besser. Dieses Mal reagierten wir prompt und verließen das Hostal. Stattdessen checkten wir im Kuntur Wassi ein, einem für peruanische Verhältnisse sehr gutem Hotel. Weil wir in Dollar bezahlten, gab es einen Rabatt. Die 50 $ pro Nacht waren gut angelegt. Wir genossen die zwei Tage, bevor wir mit einer Zwischenübernachtung im Torres del Ugarte in Arequipa Richtung Chile weiterfuhren. Hier hatten wir den großen Rucksacktrolley voll beladen zurückgelassen, um in den wenig komfortablen Bussen des Colca Canyons mit nur leichtem Gepäck zu reisen.

Der Busbahnhof in Arequipa, der mit knapp 1 Million Einwohnern zweitgrößten Stadt in Peru, hat eigentlich zwei Terminals. Sehr viele Busgesellschaften buhlen hier um Kunden. Allerdings bedienen einige nur ganz spezielle Strecken. Schon bei unserer Ankunft aus Nazca hatten wir sogleich den Bus nach Tacna gebucht. Beim Herumstöbern im Terminal Terrapuerto waren wir nur auf eine Busgesellschaft gestoßen, die nach Tacna fährt. Die Busse von Moqueguasahen äußerlich recht gut aus. Doch die siebenstündige Fahrt (10:15 bis 17:15) war eine Tortur. Zwar saßen wir vorne im Oberdeck und hatten deshalb einen tollen Panoramablick, aber die Luft war sehr schlecht, weil durch die verklemmten Lüftungsdüsen kein Lufthauch drang. Der Bus war sehr schmutzig. Aber das schlimmste war der Lärm: Die ganze Zeit liefen entweder spanischsprachige Filme oder schnulzige mexikanische oder peruanische Schlagermusik. Und das in einer Lautstärke, wie sie bei uns nur auf Tanzparties üblich ist. Als wir in Tacna, einer unattraktiven Wüstenstadt am Pazifik, endlich ausstiegen, wussten wir: Schlimmer kann es nicht kommen.

Wir sagten: „Adiós Peru.“ Irgendwann werden wir wiederkommen und das nachholen, was wir auf dieser Reise auslassen mussten. Insgesamt hat es uns gut gefallen. Jedoch werden wir keinesfalls die Wüsten Perus wieder besuchen. Davon hatten wir genug gesehen, bisweilen spürten wir die bedrückende Unwirtlichkeit der weitläufigen ariden Zonen Perus. Jetzt waren wir gespannt auf Chile und Argentinien…

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