24.02. – 04.03.:

Uruguay – Erlebnisse zwischen Harmonie und Wahnsinn

Tour Karte 7: Von Montevideo nach Porto Alegre (Brasilien)

So einen Abschied hat Uruguay nicht verdient

Wir sitzen, inzwischen nicht mehr sicher, ob wir verzweifelt sein oder alles mit uruguayischer Gelassenheit über uns ergehen lassen sollten, auf einer Bank, Ecke Avenida Venezuela/Avenida Uruguay und schauen auf modisch gekleidete Schaufensterpuppen einer Modeboutique im uruguayischen Einkaufsparadies Chuy im Nordosten Uruguays, direkt an der Grenze zu Brasilien. Es ist Sonntagabend, 21.30 Uhr. Von der Mitte der Avenida Uruguay, der Hauptstraße von Chuy, dringt lärmende Discomusik aus einem alten VW Golf, dessen Heckklappe hochgeklappt war. Die Monsterlautsprecher füllten den gesamten Heckraum aus, der Bass war so stark, dass mein Bier in meiner Hand vibrierte. Andere Autos eiferten ihm, dem alten Golf, nach. Es schien wie ein Wettkampf, jeder wollte die lauteste Anlage haben.

Wir wechselten den Platz, gingen ein Stück die Avenida Uruguay entlang und fanden einen vermeintlich ruhigeren Platz in der Mitte der Straße. Hier war ein breiterer Bereich für Fußgänger und Parkplätze vorgesehen, beidseits davon war jeweils eine zweispurige Straße, die in beide Richtungen befahrbar war. An diesem Abend gab es aber offenbar keinen ruhigen Platz. Denn gleich einer Rennbahn rasten Autos an uns vorbei, Motorräder mit Vollgas wollten Rekorde aufstellen, möglichst lange auf dem Hinterreifen fahren zu können. Dann hielten neben unserer Bank Autos, die Basslautsprecher auf voll Power gestellt, um kurz darauf wieder mit dröhnendem Motor davonzurasen. Nein, so etwas hatten wir noch nicht erlebt. Tags zuvor hatten wir gedacht, Chuy sei doch gar nicht so schlimm wie im Reiseführer angekündigt.

Aber jetzt wussten wir es besser. Chuy ist eine unansehnliche Grenzstadt, die wir zudem schmutzig und laut erlebten, eigentlich nur eine Durchgangsstation auf dem Weg nach Brasilien. Als freie Einkaufszone wird sie von Brasilianern und Uruguayern gleichermaßen besucht. Und ausgerechnet hier saßen wir fest. Um 21.30 Uhr waren wir zum Busterminal, der eigentlich eher eine Lagerhalle war, gegangen. Wir wollten uns in Ruhe für die Nachtfahrt nach Porto Alegre vorbereiten, uns umziehen, ein wenig waschen und Zähne bürsten. Dass wir uns dann vor vergitterten Türen befanden, unser gesamtes Gepäck dahinter wussten, jagte uns einen gehörigen Schreck ein, denn eine weitere ungewollte Nacht wollten wir dort nicht verbringen. Doch aus dem Hinterhaus kam ein alter Mann, der unsere stille Verzweiflung offenbar gehört hatte. Er beruhigte uns und sagte, der Busterminal würde um 22.45 Uhr öffnen, wenn der Bus nach Porto Alegre käme. Wir konnten es kaum erwarten.

Dabei hatte alles so versöhnlich begonnen. Wir hatten ganz am Ende der Avenida Uruguay ein Restaurant gefunden und gegessen. Wir waren zufrieden mit dem Essen und dem Preis und mussten nun die Zeit bis 23.00 Uhr irgendwie in Chuy herumbringen. Auch der Tag verlief recht gemütlich. Nachdem wir eingekauft hatten, fuhren wir mit dem Bus zum Strand und relaxten dort. Dort vergaßen wir, dass unser Einkauf teurer als in Deutschland war. Wir waren bei der Preisauszeichnung von uruguayischen Pesos ausgegangen, die Preise waren jedoch in US-$ angegeben.

Tags zuvor, an einem Samstag, waren wir angekommen, in dem Glauben, noch am selben Abend, um 23.00 Uhr weiter nach Porto Allegre zu fahren, wo wir ein Hotel vorgebucht hatten. Wir wollten uns dort mit Gretel (Diefenthaeler) treffen, einer Brasilianerin aus Porto Alegre, die wir mit ihrem Bruder Gustavo in Bariloche und in El Calafate getroffen hatten. Ihr Bruder arbeitete zu dieser Zeit in der Hauptstadt Brasilia, so dass er leider keine Zeit hatte. Doch ausgerechnet am Samstag fuhr kein Bus, sonst verkehrte er täglich. Im Hostel hatte einer der Hostelbesitzer uns diesen Bus im Internet herausgesucht. Auch Gustavo hatte uns per e-mail diese Verbindung genannt. Shit must happens! Jetzt mussten wir das Beste aus der Situation machen.

Dass wir nur 100 m vom Busterminal das Hotel Ramirez fanden, war sicher ein Glück. Große Wahlmöglichkeiten hatten wir ohnehin nicht mehr, nachdem wir bereits eine Stunde von der Haltestelle des Ruta del Sol Busses, mit dem wir aus Punta del Diablo gekommen waren, zum Busterminal für die Fahrt nach Brasilien gelaufen waren, stets unser Gepäck mitschleppend. Als wir die Hauptstraße überquerten, bemerkten wir, dass Vorbereitungen für irgendein Fest im Gange waren.

Später stellte sich heraus, dass in Chuy ein binationaler Nachkarneval unter Beteiligung von Karnevalsgruppen aus Chuy und aus Brasilien gefeiert wurde. Das wollten wir uns nicht entgehen lassen. Zwar war das kein Karenval in Rio, aber immerhin in Chuy. Auch wenn alles etwas provinziell wirkte, so kamen wir doch in den Genuss, Samba tanzende Brasilianerinnen zu sehen. Wir wühlten uns durch das Gedränge, jederzeit gewahr, nicht von den wilden, mit Rasierschaum spritzenden Jugendlichen getroffen zu werden. Ganze Familien hatten es sich unter Baldachinen gemütlich gemacht, sie hatten ihre Areale fein säuberlich mit Baustellenband markiert. Übrigens: Die Uruguayer feiern einen Monat lang Karneval. Weil das offenbar nicht ausreicht, feiern die Urus einen Nachkarneval.

So endete eine gute Woche in Uruguay, das auch heute noch stark von der Landwirtschaft, vor allem der Viehzucht geprägt wird (Das Rindfleisch von Jim Block stammt aus Uruguay). Heute sind die ehemals großen Flächen Buschwaldes gerodet, nur noch 5% Uruguays sind Waldland. Das für südamerikanische Verhältnisse eher kleine Land ist mit rund 175000 km2 halb so groß wie Deutschland. Allerdings hat Uruguay nur rund 3,5 Millionen Einwohner. In der Hauptstadt Montevideo leben etwa 45% der Bevölkerung.

Wir waren im Ergebnis von Uruguay positiv überrascht (abgesehen von Chuy). Montevideo ist zwar keine Stadt, die zu mehrtägigen Aufenthalten einlädt, aber insgesamt macht die Hauptstadt Uruguays einen aufgeräumten Eindruck. Gleichwohl fiel unsere obligatorische Städtefahrradtour aus technischen Gründen aus: Die Fahrräder waren in technisch desolatem Zustand und waren nicht sicher durch den Verkehr Montevideos zu jonglieren. Dass die Frau, die den Fahrradverleih betrieb, offenbar keine Ahnung hatte, wurde schnell deutlich. Sie sagte, ihr Werkzeug sei in einem Fahrzeug, an das sie derzeit nicht herankäme, das sei der Grund für nicht funktionierende Bremsen, eiernde Reifen, abgefahrene und poröse Mäntel oder schlingernde Lenkkopflager. Nein, da hilft kein Werkzeug, sondern nur eine umfassende Restaurierung oder eine Erneuerung des Fuhrparks.

Insbesondere hat uns die Atlantikküste gefallen. Dass wir uns für Punta del Diablo entschieden, hatte rein praktische Gründe. Denn wir wollten wegen unserer Weiterreise nach Brasilien die Tage vor dem Grenzübertritt relativ nahe der Grenze verbringen, weil ein Bus nach Porto Alegre von Chuy fährt.

Es gibt Sympathien mit Orten, die sofort ein Wohlgefühl erzeugen. Punta del Diablo gehört dazu: Eine kleine, verschlafen wirkende Siedlung, zwar durch den Tourismus geprägt, aber einfach und lieblich geblieben. Es gibt nur Sandwege, maximal zweistöckige Häuser und kilometerlange Strände mit Dünen, wie wir es von der französischen Atlantikküste gewöhnt waren.

Punta del Diablo befindet sich auf 340S, was in etwa Zypern auf der Nordhalbkugel entspricht. Die Sonnenstrahlung ist entsprechend intensiv, das Klima ist subtropisch, wenn auch durch den Einfluss des Atlantiks nicht unerträglich heiß. Es regnet wegen des atlantischen Einflusses über das ganze Jahr verteilt recht gleichmäßig, der Jahresniederschlag ist mit rund 1200 mm pro Jahr deutlich höher als beispielsweise in Hamburg.

Wir genossen diese Tage, insbesondere als wir vom etwas außerhalb gelegenen Campingplatz in unser Hostel del Diablo, etwa 200 m vom Strand umzogen: Ein ehemaliges Hotel mit grün bewachsenem Innenhof, ein Zimmer mit Terrasse und Blick auf den Atlantik, ein gutes Frühstück und eine Besitzerfamilie mit deutsch-uruguayischen Wurzeln, besser hätten wir es nicht treffen können. Im Hostel lernten wir sehr nette, englisch sprechende Chilenen kennen, mit denen wir interessante Unterhaltungen führten. Zudem ist Punta del Diablo ein Wellensurferparadies. Das nutzten wir beim Bodysurfen, beim Bauchsurfen mit Brett und mit einer Wellen-Surf Unterrichtsstunde.

Wir wären gerne ein paar Tage länger geblieben, aber Brasilien wartete. Im Bus waren wir uns einig, dass Uruguay durchaus ein Reiseziel zum Wiederkommen wäre. Mit diesen Gedanken schliefen wir irgendwann ein, obwohl dieser Nachtbus keine besonders komfortablen Schlafsitze hatte. Am Morgen erreichten wir Porto Alegre. Lieber hätten wir die Nacht, wie ursprünglich geplant, im Hotel in Porto Alegre verbracht.

Übrigens: Nach Uruguay dürfen wir nicht mehr einreisen, denn wir haben keinen Ausreisestempel. Als wir über die Grenze nach Brasilien fuhren, gab es keine uruguayische Grenzstation, demnach auch keinen Stempel, nur einen brasilianischen Einreisestempel. Jetzt sind wir also eigentlich noch in Uruguay. Wir werden insofern das Aufenthaltslimit von 3 Monaten locker überschreiten, sind dann Illegale. Tatsächlich könnte es Probleme bei einer erneuten Einreise geben.

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