19.10.16 - Tonle Sap - Eine Bootsfahrt über den größten See Südostasiens

Von einem Fluss, der rückwärts fließt

 

Das Boot wurde von drei Bootsleuten bedient. Einer stand vorne, schaute routiniert über die scheinbar endlose Wasserfläche, die an vielen Stellen Bäume und Büsche überschwemmt hatte. Nur Teile des Grüns suchten sich den Weg an das Licht. Ruhig zeigte einer der Bootsleute, der auf dem Bug des alten, ungepflegten Bootes stand, nach links und rechts. Der Bootsführer steuerte nach diesen Anweisungen gekonnt an flachen Stellen vorbei, umfuhr geschickt Bäume, die den Fahrweg eng machten, und schlängelte sich durch enge Wasserwege, Kanälen gleich, zwischen engstehenden, von Wasser zur Hälfte bedeckten Bäumen, entlang.

Hinten polterte lauthals ein alter Dieselmotor und brachte das Boot zum Vibrieren. Das dritte Mannschaftsmitglied kippte zwischenzeitlich etwas Öl und Kühlwasser in den um das Überleben kämpfenden Motor. Vor einem Monat war diese Fahrt noch leichter, schon bald würde das Boot von Siem Reap nach Battembang einen anderen, längeren Weg wählen müssen: Südwärts den Siem Reap Fluss, westwärts über den Tonle Sap See und dann weiter westwärts den Sangker bis Battembang.

Im September hatte der Tonle Sap, der größte See Südostasiens, seine größte Ausdehnung erreicht und weite Teile Zentralkambodschas überschwemmt. Der südliche Abfluss eines der fischreichsten Binnengewässer der Erde ist der gleichnamige Fluss, der in Phnom Penh in den Mekong fließt. Der Tonle Sap ist der einzige Fluss, der zeitweilig rückwärts fließt. Wenn im Himalaya im Frühjahr die Schneeschmelze eintritt und im Mai der Monsun die Regenzeit einläutet, steigt der Wasserspiegel des Mekong stark an. Der Tonle Sap kann nicht mehr abfließen, die Wassermengen des Mekong fließen in den Tonle Sap, der nun die Fließrichtung ändert und rückwärts fließen muss. Der Wasserspiegel des Sees steigt an und sorgt für Veränderungen, die weltweit einzigartig sind.

 

Während der Trockenzeit hat der Tonle Sap eine Fläche von knapp 3000 km2 (rund 4mal so groß wie Hamburg und 6mal so groß wie der Bodensee). Auf bis zu 10500 km2 vergrößert sich die vom See bedeckte Fläche, inklusive der ebenfalls über die Ufer tretenden zahlreichen Zuflüsse beträgt das vom Wasser bedeckte Gebiet sogar bis zu 25000 km2, was in etwa der Fläche Schleswig-Holsteins entspricht. Gleichzeitig steigt die Wassertiefe von durchschnittlich 3 m auf bis zu 14 m an. Im September sind rund ein Drittel der landwirtschaftlichen Kulturflächen Kambodschas von Wasser bedeckt. Im Oktober, wenn sich die Regenzeit dem Ende zuneigt (vergleiche Klimadiagramm Siem Reap), steigt der Wasserspiegel nicht mehr. Spätestens im November fließt der Fluss wieder vorwärts und entwässert in den Mekong.

Wir erlebten das größte und beliebteste Fest der Kambodschaner Ende Oktober/Anfang November leider nicht mehr. Das Wasserfest, das Fest der wechselnden Strömungen (Bon Oum Touk), das in Phnom Penh von spektakulären Drachenbootrennen begleitet wird, markiert die Umkehrung der Verhältnisse, wenn der Tonle Sap wieder vorwärts fließt. Am 28.10. mussten wir leider von Phnom Penh nach Bangkok fliegen, wo unser Flieger heimwärts nach Hamburg wartete.

 

Um 6:30 Uhr wurden wir im Schein Guesthouse, wo wir die Bootsfahrt auch gebucht hatten, abgeholt. Um 8 Uhr startete das Boot am Bootsanleger in der Nähe von Siem Reap. Auf die sehr touristisch orientierten Fahrten von Siem Reap nach Kompong Phluk oder Kompong Khleang, Pfahlbausiedlungen, die in der Trockenzeit auf meterhohen Pfählen stehen und während des Hochwassers wie Inseln aus dem See ragen, hatten wir verzichtet. Die Bootsfahrt bot uns die gleichen, wenn nicht sogar noch umfassendere Einblicke in das Leben am und im See. Gleichzeitig erreichten wir unsere nächstes Ziel Battembang. Sechs Stunden dauerte die Fahrt, während der ich auf dem Bootsdach saß, den kühlenden Fahrtwind genoss und gespannt die vielen Eindrücke aufnahm.

 

Überschwemmungen - Normalität für die Bewohner des Tonle Sap

 

Die Menschen am Tonle Sap haben sich seit Jahrhunderten an den Rhythmus des wechselnden Wasserstandes angepasst. Nach dem Wasserfest beginnt die Fischereihauptsaison. Fisch, wichtigster Proteinlieferant in Kambodscha, und Reis sind Hauptbestandteile der Küche der Khmer. Auch der Reisanbau folgt dem Sinken des Wasserstandes. Noch im Überschwemmungsbereich gepflanzt, muss der Reis vor der Ernte trocken stehen, sonst verschimmelt er.

 

Unsere Fahrt durch dieses einzigartige Ökosystem, das mit seinem Nahrungsreichtum Lebensgrundlage für einen Großteil der Kambodschaner ist, zeigte uns Ausschnitte des Lebens der Seebewohner, die in schwimmenden Dörfern und in Pfahlbausiedlungen meist ein schweres und armes Dasein auf Subsistenzniveau fristen. Ein Leben, das für uns unvorstellbar ist, für Kambodschaner vielerorts aber Normalität ist: Der Kampf um das tägliche Überleben.

 

Doch das Ökosystem ist aufgrund gestiegener Bevölkerungszahlen, veränderter Fangmethoden und der Industrialisierung in Thailand und China augenscheinlich dem Untergang geweiht. Brutale Fangmethoden mit Granaten und Gift, der Nahrungsbedarf in den Krokodilfarmen und die Verschmutzung der Schwemmsande aus den Industrieanlagen der flussaufwärts am Mekong gelegenen Industrieanlagen in Thailand und China gefährden zunehmend die natürlichen Kreisläufe. Ebenso ist der Drang, vielerorts Staudämme zu bauen, ungebrochen. Wenn sich die Fließverhältnisse ändern und der Tonle Sap nur noch vorwärts fließt, wird es auch kein Wasserfest mehr geben.

 

Von winkenden Kindern während einer Bootsfahrt

 

Unbekümmert, fröhlich, Kinder der Welt, Kinder Kambodschas: So erlebten wir das Lachen und Winken der Kinder, die zahlreich in den schwimmenden Hütten oder in den Pfahlbauten spielten und neugierig das Boot betrachteten, auf dem etwa zwei Drittel Touristen, die meisten davon Backpacker wie wir, die Fahrt nach Battembang angetreten hatten. Sie ruderten, sprangen in das Wasser oder übten sich im Bauen von Flößen. Kambodschaner, besonders die Armen, die nach wie vor die Mehrheit bilden, haben viele Kinder. Einige von ihnen halfen beim Fischen. Andere saßen in schwimmenden Häusern, die zu Geschäften umgebaut waren, um die selten kommende Kundschaft zu bedienen. In einigen Dörfern gab es auch Schulen. Doch die waren nicht für alle leicht zu erreichen. Die armen Kambodschaner haben häufig auch keinen Bezug zur Bildung. Viele Kinder dienen deshalb als Arbeitskraft, gehen nicht zur Schule. Fröhlich gewunken haben sie dennoch. Die Kinder Kambodschas, die Kinder am Tonle Sap sind Kinder der Welt ohne die Welt zu kennen.

 

 

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