10.04. - 13.04.: Jetzt schon so viel Verkehr

Eine angenehme Busfahrt - bis kurz vor Yangon

Nichts geht mehr, nur in langsamen Meterschritten kämpft sich unser Bus voran. Wir sind noch einige Kilometer vom Busbahnhof im Norden der ehemaligen Hauptstadt, die durch eine Entscheidung der Militärs 2005 von der "Kunsthauptstadt" Naypyidaw abgelöst wurde, entfernt. Unsere Hoffnung, noch am frühen Abend das Grand United zu erreichen zerrann. Offenbar hält der Ausbau der Verkehrsinfrastruktur in der 5 Millionen-Metropole, die mit knapp 600 km2 deutlich kleiner als Hamburg ist, nicht Schritt mit dem ungeordneten Wachstum des Verkehrs. Die chaotische Gemengelage aus Rollern, Ochsenkarren, alten, kaum fahrtüchtigen PKW und solchen jüngeren Baujahres, LKW's aus der späten Kolonialzeit sowie Bussen, Trucks und Taxis, die sich eilend kleine Lücken suchen, um vermeintlich Zeit zu gewinnen. Gleichwohl waren wir sehr überrascht, dass wir bis dahin eine erstaunlich komfortable Busfahrt erlebt hatten (siehe Bericht Inle-Lake). Resümee: Myanmar holt auf, die Backpacker wird es freuen.

Taxidriver- Abzocken mit Lizenz

Die Unerfahrenheit von Touristen ausnutzen, auch hier holt Myanmar auf. Geduldig warteten wir vor dem Bus auf unser Gepäck, was vier Taxifahrer nicht daran hinderte, um uns zu feilschen. Den Preis hatten sie offenbar zuvor abgesprochen. Danach folgten sie uns auf Schritt und Tritt bis zur Toilette. Dieses Gebaren kannten wir bislang in dieser Intensität nur aus Indonesien. Natürlich hatten wir uns zuvor über die gängigen Preise informiert: 10000 bis 12000 MMK (knapp 11 €) sind eigentlich üblich, dreist und unverhohlen forderten die Taxidriver 35000 MMK, also über 30 €. Dazu argumentierten sie mit der Fahrstrecke, dessen Länge sie maßlos übertrieben. In Kenntnis der normalen Preise hatten wir zumindest eine Verhandlungsbasis, während die Taxidriver wussten, dass wir zu so später Stunde nur einen engen Zeitrahmen für das Weiterkommen hatten. So trafen wir uns bei 20000 MMK, immer noch ein gutes Geschäft für den Driver. Das wir das Grand United im Zentrum Yangons schließlich deutlich schneller erreichten als angekündigt, war ein deutliches Signal für die Richtigkeit unserer Handlungsweise.

Gerüche mischen sich - Yangon auf den ersten Blick

Nur am Abend werden die Tische aus billigen Plastik herausgestellt, wenn jene Yangoner, die vom Wirtschaftswachstum profitieren, ausgehen. Am Tag rotiert hier der Verkehr. Wir hatten uns das letzte Straßenrestaurant ausgesucht und saßen zwischen Einheimischen und anderen Touristen auf großen Betonplatten, die die offenen Abwasserkanäle optisch abdecken. Müll, Abwässer der Häuser und Geschäfte mischen sich hier mit dem Regenwasser, dass während der im Mai beginnenden Monsunzeit reichlich fließt. Das Schmutzgebräu landet vermutlich im Yangonriver. Dieser süßliche, leicht muffige Geruch mischt sich mit der feuchten, tropischen Luft und den Gerüchen der Straßenküchen und -stände.

Etwas übertrieben wurde die 19th Street mit der Kao San Road Bangkoks verglichen, jener Backpacker Feier-und Fressmeile im Zentrum der thailändischen Hauptstadt, wo wir jederzeit ein akzeptables, preiswertes Essen finden konnten. In Yangon stimmten Preis und Leistung hingegen nicht, das Essen diente uns im Ergebnis nur dazu, nach einer langen Fahrt unsere hungrigen Mägen zu füllen.

Während unserer üblichen Märsche durch Yangon gewöhnten wir uns schnell an die Gerüche und daran, dass, wie vielerorts in Asien, Fußgänger gefährlich leben: Die schmalen Fußwege sind mit Straßenständen und den Auslagen der Geschäfte zugestellt. Weil wir vorankommen wollten, blieb uns nur das Ausweichen auf die Straße, wo chaotischer Verkehr unsere erhöhte Aufmerksamkeit erforderte.

Eine Zugfahrt rund um Yangon

Ein etwa 12jähriges Mädchen stieg geschickt in den Zug ein, denn sie balancierte auf unerklärliche Weise ein rundes Tablett von etwa 80 cm auf ihrem Kopf. Zudem war es glatt, denn es bestand aus Metall. Sie pries auf burmesisch ihre Nüsse an, die sie in den Waggons des Circle Trains verkaufen wollte. Es war eine kurze, perfekt koordinierte Ganzkörperbewegung, mit der sie sich auf ihren mitgebrachten Plastikhocker saß, und gleichzeitig schwungvoll das Tablett mit den Nüssen auf ihre Beine beförderte, flink einige Tütchen füllte und sie an hungrige Burmesen verkaufte. Genauso schnell wie sie gekommen war verschwand sie auch wieder und wurde von einem Mann, der gekochte Bananen anbot, abgelöst.

Der Circletrain ist ein Übrigbleibsel der britischen Kolonialzeit, nie renoviert, geschweige denn erneuert. Ohne Türen und Fenster rattert er mit maximal 30 km/h über die erneuerungsbedürftigen Schienen. Er bekommt zunehmend Konkurrenz vom expandierenden Busnetz. Dennoch ist der Zug für viele Myanmarer ein günstiges und vergleichsweise sicheres Verkehrsmittel.

Wir nutzten die Gelegenheit, um für 1 € Yangon und sein teilweise recht ländliches Umland ganz beschaulich kennen zu lernen, sozusagen Sightseeing auf eine ganz besondere Art. Denn wir waren mittendrin: Slums, Märkte und die mit einfachsten Methoden arbeitende Landbevölkerung zogen im Schneckentempo an uns vorbei, während die Fahrgäste, häufig Frauen, mit landwirtschaftlichen Produkten oder handwerklich hergestellten Erzeugnissen wie Kleidung, Hüten und dgl. mehr einstiegen, um auf den zahlreichen Märkten ihre Waren feil zu bieten.

Die Fahrt schockierte uns auch ein wenig, denn sie verdeutlichte, das Myanmar noch weit davon entfernt ist, sein Müllproblem lösen zu können. Und die Armut, die vielerorts entlang der Strecke sichtbar war, zeigte ein Mal mehr, dass Myanmar zu den ärmsten Ländern der Welt gehört. Gleichwohl war die Aufbruchsstimmung an vielen Stellen spürbar. Die Burmesen hoffen, seitdem die Militärregierung das Land zunehmend öffnet und eine Demokratiesierung in kleinen Schritten angekündigt hat, auf eine bessere Zukunft.

Übrigens bauten die Engländer das Schienennetz auch aus militärischen Gründen aus, so dass Myanmar über ein relativ umfassendes Streckennetz verfügt. Die Verbindungen reichen bis in den äußersten Norden Myanmars und bis nach Thailand. Auf diese Weise versuchten die Engländer Waffen an die Chinesen und die Thais zu liefern, damit die gegen die Vormacht der expansiven Japaner kämpfen konnten.

Eine Pagode als Zentrum einer Stadt und Hort des Aberglaubens

Ein Ort in Yangon ist von den fast täglichen Stromausfällen ausgenommen: Die Shwedagon-Pagode. Unvorstellbar, dass Beleuchtung und Fahrstuhl im wichtigsten Sakralbau Myanmars, im religiösen Zentrum des Landes, ausfallen könnten. Die 98 Meter hohe Pagode thront auf einem Hügel über der Stadt und ist schließlich so etwas wie die lokale Klatschbörse: Nach der Arbeit oder nach Sonnenuntergang beten und danach ein Schwätzchen halten, treffen mit der Familie, mit Freunden oder Bekannten. Wir erlebten die Pagode in Vorbereitung auf das Wasserfest, es ging zu wie auf einem Volksfest, viele opferten den Buddhas, gaben Geld und wuschen die Buddhas mit Wasser rein.

Wie viel Blattgold die zentrale Stupa ziert, ist nicht ganz bekannt. Die Schätzungen gehen von einer Tonne bis zu 60 Tonnen, ein Wert, mit dem Myanmar seine Auslandsschulden spielend bezahlen könnte. Jedenfalls glänzt die Stupa weit sichtbar, zahllose Scheibchen wurden in hunderten von Jahren von den Gläubigen aufgebracht. Der unermessliche Wert findet seinen Höhepunkt mit Spitze der Stupa, die wie eine Art Schirm angebracht und mit tausenden von Edelsteinen besetzt ist, darunter ein 75 Karat schwerer Smaragd. Das bloße Auge erkennt das Funkeln nicht, der Blick durchs Fernglas jedoch lässt einem fast die Sinne schwinden.

Weitläufig wird die Hauptstupa von einer Vielzahl kleinerer Stupas und Tempeln, unterbrochen von Elefanten und Löwenfiguren sowie den freundlich gesinnten Nats (Geister) und furchterregenden Dämonen. Überall werden Tschat hineingesteckt, die abergläubische Bevölkerung will auf diese Weise auch die Dämonen gnädig stimmen. Auch die Militärregierung soll nicht frei vom Aberglauben sein: Bisweilen sollen Entscheidungen der Machthaber auf den Weissagungen von Wahrsagern beruhen.

Selbst der Wechsel auf Rechtsverkehr 1979 -bis dahin war aufgrund der britischen Kolonialzeit Linksverkehr üblich- nach einer Anordnung des damaligen Staatspräsidenten Ne Win ist auf abergläubisches Verhalten zurückzuführen. In Myanmar ist es ein offenes Geheimnis, dass ein Astrologe Ne Win vorhergesagt haben soll, dass er bei einem Autounfall auf der linken Seite sterben würde. Für Ne Win war demnach der Rechtsverkehr seine Lebensrettung.

Selbst die über 100000 Toten, die zahllosen Verletzten und Obdachlosen könnten teilweise auf Aberglauben zurückzuführen sein. Die persönliche Astrologin des Junta Chefs General Than Shwe weissagte diesem, "Nergis" sei ein Zeichen für den Machterhalt und die Bevölkerung solle auf diese Weise für ihre Unabhängigkeitsbestrebungen betraft werden. Nach dem Wüten des Tropenzyklons "Nargis" wunderte sich die Weltgemeinschaft über die Passivität der Militärregierung bei der Organisation der Hilfen und über die Weigerung ausländische Helfer in das Land zu lassen. Die Strafe sollte offenbar vollständig sein.

Spurensuche - die schönen Seiten von Yangon

Yangon hat als ehemalige Kolonialstadt einiges zu bieten, zumindest steckt einiges Potential in dieser Metropole. Mancherorts ist das erkennbar: Auf unserem Rundgang durch Yangon entdeckten wir immer wieder architektonische Schönheiten, die sich herausgeputzt hatten, so z. B. im indischen Viertel, wo finanzkräftige Inder durch zielgerichtete Investitionen alte Gebäude im neuen Glanz erstrahlen ließen. Immer wieder blitzt ein altes Schmuckstück aus den Betonfassaden hervor. Wir haben unsere Hikes durch Yangon genossen, jene Mischung aus buntem Treiben, überraschender architektonischer Schönheit, religiöser Buntheit und leider auch der allgegenwärtigen Armut, die aber nicht hoffnungslos scheint, denn gleichzeitig ist immer wieder Optimismus spürbar.

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     Impressionen von einer Fahrt mit dem Circle Train

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