18.07. - 21.07. und 24.07. - 27.07.:  Quito - Hauptstadt auf 2900 m Höhe

Von 0 auf 2900 m - Anflug zum Höhentraining

Der Flug war lang, dazu zweieinhalb Stunden in Amsterdam und vier Stunden in Bogota Aufenthalt, jetzt waren wir froh, gegen 23 Uhr Ortszeit nach dem problemlosen Taxitransfer im Travellers Inn angekommen zu sein. Wir klingelten, die Stahltüre, die durch die hohe, mit Strom- und Stacheldraht bewehrte Mauer führte, wurde geöffnet. Danach mussten wir durch eine weitere Stahlgittertür, um in die alte Villa zu gelangen. Jetzt stand die erste Bewährungsprobe bevor: Es ging steil treppauf. Der Körper schrie nach Sauerstoff, als er sich die Treppe mit 23 kg Gepäck und weiteren 5 kg Handgepäck hinauf kämpfte, Pumpe und Atmung arbeiteten auf Hochtouren. Zumindest galt das für mich, Gitti hatte durchaus geringere Anpassungsprobleme. Würden drei Tage Quito für die Höhenanpassung ausreichen?

Übrigens wurden bis 2007 die meisten heimischen Länderspiele in Quito (Estadio Olimpico Atahualpa) durchgeführt. In Quito besiegte Ecuador in den WM-Qualifikationsspielen 2001 und 2004 Brasilien mit jeweils 1:0 und auch Argentinien unterlag Ecuador 2005 und 2009 in Quito mit jeweils 0:2. Die FIFA untersagte im Juni 2007 wegen des Heimvorteils Spiele oberhalb von 2500 m, revidierte dieses Verbot aber Ende 2007, weil davon auch internationale Spiele von Vereinsmannschaften wie Quito, Cuenca oder Riobamba betroffen wären. So wurde die Grenze auf 2750 m gelegt, es sei denn, die Spieler der gegnerischen Mannschaften haben die eher unrealistische Möglichkeit zur Akklimatisierung an die Höhe. Das auf 2783 m hoch gelegene Nationalstadion Atahualpa wurde vom südamerikanischen Verband gerade noch als ecuadorianische Austragungsstätte für Fußballheimspiele der Nationalmannschaft Ecuadors zugelassen.

Immer wieder gerne - Übernachten im Hostel

Das Travellers Inn war ein sicheres Hostel, in dem wir uns um unsere Sicherheit keine Sorgen machen brauchten. Wir schliefen in der ehemaligen Bibliothek der alten Villa, es fehlten nur die Bücher in den Regalen, die alle vier Wände vollständig ausfüllten. Das Hostel war fest in Familienhand, abends kochte Großmutter für einen Teil der Familie. Allerdings ließen die Speisen und die Art der Zubereitung keine gute kulinarische Ausrichtung erkennen. Gleichwohl war die Küche, wie wir häufig erlebten, jener Ort, wo nette Kontakte ihren Ursprung haben. Cali und Andrew aus Colorado gehören dazu. Sie hatten gerade ihr Studium beendet und ihre halbjährige Südamerikareise in Kolumbien begonnen, ursprünglich mit dem Fahrrad. Während eines Ausfluges von einem Hostel in Kolumbien aus wurde Andrew das Fahrrad geraubt, Verteidigung war zwecklos. So setzen die beiden ihre Reise nun als Backpacker fort. Wir wünschten den beiden bei ihrem Aufbruch zum Cotopaxi eine sichere Weiterreise.

Das hatten wir anders erwartet

Das 483 Jahre alte Quito, mit knapp 2900 m höchste Hauptstadt der Welt, glänzt zwar mit seiner Sauberkeit, verbreitet aber nicht jenen Charme von Lebendigkeit und Lebensfreude wie andere südamerikanische Städte (z. B. Buenos Aires, Cusco, Porto Allegre, Rio de Janeiro). Die Altstadt beeindruckt einerseits mit ihrer kolonialen, gut erhaltenen Bausubstanz, aber mit Einbruch der Dunkelheit stirbt das Leben, ein weiterer Aufenthalt ist sogar gefährlich, Überfälle und Diebstähle an der Tagesordnung.

Als wir mit dem Bus aus Lago Agrio morgens um 4 Uhr in Quito ankamen und nur sieben Minuten Fußweg von unserem Hostel entfernt ausstiegen, wollte uns ein vermeintlicher Taxifahrer in die entgegengesetzte Richtung schicken, ein anderer trat dazwischen. Am Ende war die Kurzfahrt mit dem Taxi die sichere Variante.

Fazit: Länger als zwei Tage in Quito braucht man nicht. Quito fehlt das Abend- und Nachtleben. Gleichwohl gibt es viele Ausflugsmöglichkeiten von Quito aus, z. B. zum Cotopaxi oder zum Mittelpunkt der Welt. Übrigens hörten wir von Ausländern, die länger in Quito lebten, dass es auch in ihrem Umfeld zu Diebstählen, teilweise auch mit Waffeneinsatz, gekommen war.

Fakes gibt es auch hier oder auf eigene Faust ist besser

Mit dem linken Fuß stand ich auf der Südhalbkugel, mit dem rechten auf der Nordhalbkugel. Hier, genau am "Mittelpunkt der Welt", zwanzig Kilometer nördlich von Quito, wirkt die Corioliskraft nicht, jene scheinbare Kraft, die vor allem für die Ablenkung globaler Windsysteme sorgt und die Hoch- und Tiefdruckgebiete zum Rotieren bringen. Von dieser Linie aus ist der Nord- und Südpol gleich entfernt. Daher kommt auch der Name der ehemaligen spanischen Kolonie. Äquator heißt auf Spanisch Ecuador und bedeutet altspanisch zwei gleiche Teile (altspanisch: equa = gleich / dos = zwei).

Dieses Abenteuer kostete uns 60 US-$ (in Ecuador gilt der der US-$ als Währung). Zuvor hatten wir im Hostel, das gleichzeitig eine Travel Agency betrieb, erfahren, dass es nur schwer und sehr umständlich sei, das Museum zu besuchen. So buchten wir eine Privattour. Der Fahrer verspätete sich am nächsten Tag um eine Stunde, mit drei weiteren Travellern brachte uns der englischsprachige Fahrer zum Museum, eine inkludierte Fahrt zu einem Vulkan, in dessen Krater ein Dorf lag, fiel aus, weil es zu neblig war. Später erfuhren wir von einem spanisch-deutschen Paar aus unserem Hostel, dass es tatsächlich, wie wir vermuteten in einer guten Stunde, für 2 US-$ mit einem öffentlichen Bus zu erreichen gewesen wäre. 8 $ Eintritt für das Museum mussten wir übrigens noch zusätzlich bezahlen.

Im Museum erzählte ein Museumsführer über die Geschichte der Findung der Äquatorlinie, die die Spanier schon recht genau mit einer nur geringen Abweichung von 300 m mittels der Messung der Länge und der Winkelveränderungen des Schattens ermitteln konnten. Dazu gab es Versuche, die augenscheinlich die Wirkung der Corioliskraft demonstrierten, aber tatsächlich nur dem Bereich des Schamanentums zuzuordnen sind. So zeigte der Museumsführer, dass aus einem auf dem Äquator stehenden Waschbecken Wasser strudelfrei abfließt, wenige Meter nördlich bzw. südlich davon mit einem links- bzw. rechtsdrehenden Strudel aus dem Waschbecken läuft. Ein Gerücht, dass hier bestätigt wurde, den Trick dieser Vorführung fand ich nicht heraus. Übrigens: Auf dem Äquator wirkt die Corioliskraft nicht, dann sicher auch nicht wenige Meter daneben und schon gar nicht auf ein Miniatursystem wie einem Wasserstrudel.

Dennoch haben wir den Besuch genossen: Wer war schon gleichzeitig auf Nord- und Südhalbkugel.

Unverhoffter Kontakt mit der Ölindustrie

Stolz zeigte mir mein Sitznachbar im Embraerjet während des Tamefluges, wie er vor der Steuerung einer Ölförderpumpe stand. Kurz darauf landeten wir und von oben sah ich, nachdenklich aus dem Fenster schauend, unser Ziel, die Ölstadt Lago Agrio. Größere geschlossene Regenwaldflächen gab es hier nicht mehr, Folge des in den 70ern beginnenden Ölbooms in Ecuador. Dort wo es noch Regenwald gab, gab es vereinzelt landwirtschaftlich genutzte Lichtungen, auf denen kleine Hütten standen, bewohnt von Bauern, die im Zuge des Wanderfeldbaus Regenwald roden. Infolge des Raubbaus schreitet, relativ gesehen, die Zerstörung des Regenwaldes in Ecuador am meisten voran.

Fast war ich geneigt, mit dem westlichen erhobenen Zeigefinger den Ölarbeiter auf diese fatale Situation hinzuweisen. Die westliche Welt fordert den Stopp der Abholzung der Regenwälder. Ich biss mir auf die Lippen. Pedro war der Armut entronnen und war glücklich, einen sicheren Arbeitsplatz mit vergleichsweise guten Arbeitsbedingungen und geregelten Arbeitszeiten auszufüllen.

Letztlich sind wir die Nachfrager des Erdöls, Urheber eines ungezügelten Energiehungers, längst übertrifft unser ökologischer Fußabdruck das Vielfache unserer Landesfläche. Unsere Wälder sind schon lange abgeholzt, große Teile zugepflastert, zubetoniert und anderweitig versiegelt.

Pedro tat nichts anderes als das, was die industrialisierten Länder vorleben: Strebsam sein, sich eine Arbeit suchen und dafür sorgen, dass es einem selber besser geht. Nachdenklich fuhr ich in das Cuyabeno-Regenwald-Schutzgebiet, im Bewusstsein, dass dieses Wunder der Natur bald nur noch Seltenheitswert haben könnte.

Länge ist nicht alles

Endlos schien der Weg mit dem Taxi zum Busbahnhof, obwohl Quito mit 2,2 Millionen Einwohnern (Großraum rund 4 Millionen) sicher keine Megastadt ist. Die Menschen drängen sich auf nur 290 Quadratkilometern, etwa einem Drittel der Fläche Hamburgs. Grund: Quito liegt in einem für die Anden typischen Längstal, das zum Guayllabambabecken gehört. Das Becken erstreckt sich in Nord-Süd-Richtung über eine Länge von 50 km und ist nur 4 km breit.

Eine Ausdehnung ist deshalb nur entlang dieses Tales möglich. Quito ist 30 km lang und nur selten breiter als zwei bis drei Kilometer. Erschwerend kommen die steilen Gefälle besonders in Ost-West-Richtung hinzu, so dass Steigungen von mehr als 10% recht häufig sind. Dadurch werden die Fahrten im wahrsten Sinne des Wortes sehr lang, der starke Verkehr, der sich ebenfalls nur in dieser Längsrichtung bewegen kann, verstärkt diese Situation. Stadtplanerisch ist das sicher ein Problem, denn die für viele Städte üblichen Ringsysteme sind hier nicht möglich. Wenn die Autodichte pro Einwohner westliche Werte erreichen sollte, ist spätestens der Verkehrskollaps erreicht.

Obwohl wir zeitig losgefahren waren und den Ratschlägen aus dem Travellers Inn gefolgt waren, wurde es knapp. Gerade noch Just in time erreichten wir unseren Bus nach Puerto Lopez.

Am Fuße des Cotopaxi - zweithöchster Berg Ecuadors

Schnaufend, als ob ich einen tonnenschweren Stein hinter mir herschleppen würde, stampfte ich bergauf. Dieses Mal waren es nicht die Stufen im Hostel in Quito, sondern ein leibhaftiger Berg, der aktive Vulkan Cotopaxi. Mit einem Kleinbus und etwa 14 weiteren Touristen waren wir in den Nationalpark Cotopaxi gefahren, erhaben erstreckt sich der schneebedeckte 5897 m hohe Vulkankegel über den Altiplano. Bis zu einem Parkplatz auf ca. 4400 m Höhe hatte sich der Kleinbus die schlaglochreiche Sandpiste hinauf gekämpft.

Fast 500 Höhenmeter ging es zu Fuß recht steil bergan, parallel dazu sank der Sauerstoffgehalt der Luft. Der schwarze Lavasand gab bei jedem Schritt nach. Oben an der Hütte, fast 4900 m hoch, pochte mein Kopf, starke Kopfschmerzen waren die Vorboten der Höhenkrankheit. Die Akklimatisation war offensichtlich nicht ausreichend. Gleichwohl spielen weniger der Fitnesszustand als vielmehr individuelle Bedingungen bei der Gewöhnung an die Höhe eine große Rolle. Gitti hatte sich von Beginn an schnell an die Höhe gewöhnt. Auch den Cotopaxi ging sie fast spielend hinauf.

Dass der Guide oben sagte, bis zur Gletscherzunge seien es weitere 200 Höhenmeter und gute 45 Minuten Aufstieg, ist ein weiteres Beispiel der unzureichenden Informationen, die wir in Ecuador immer wieder erhielten. Ich ging schnell hinunter, das einzige was in dieser Situation wirklich hilft. Auf rund 1,5 Stunden Wartezeit hatte ich mich eingestellt, 30 Minuten nach mir kam Gitti. Grund: Es war ein flacher, fünfzehnminütiger Anstieg von rund 50 Höhenmetern, eine Strecke, die ich noch trotz Kampfes weitergegangen wäre.

Übrigens liegt Ecuador als Teil des pazifischen Feuerringes in einer aktiven Subduktionszone. Deshalb gibt es neben immer wieder auftretenden Erdbeben 55 Vulkane, davon 18 aktive. Quito ist eingerahmt von Vulkanen. Elf Vulkane in Ecuador werden derzeit besonders überwacht. Cotopaxi, Guagua Pinchincha und Tungurahua gelten als gefährlich.

Aktuelles vom 15.08.2015 - Der Cotopaxi erwacht
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